Männer auf Touren

Dinge verändern sich – auch für den Mann.  Der Blick in das alte Reiseetui offenbart grundlegende Umwälzungen bei der herrlichen Morgentoilette:

Während früher die manuell bewegte Zahnbürste für den Muskelaufbau und das nötige Feingefühl sorgten, wird heute die Bequemlichkeit durch elektrische Vibrationen unterstützt.  Mit dem Rasierpinsel wurde der nötige Schwung geübt, der reichlich Schaum erzeugt hat, und Mann kam tatsächlich mit nur einer Rasierklinge ans Ziel. Verpackt wurden die Utensilien fürs männliche Ego damals in silberne Dosen und Schächtelchen.

Dafür geht heute eben alles schneller:  Beim Zähneputzen werden zwei Minuten eingespart, und da bei der Rasur mit mindestens fünf Klingen kein Barthaar eine Chance hat, erfolgt auch die Entpelzung des männlichen Gesichts in Minutenschnelle.

Allein es stellt sich die Frage, ob mit dem Zeitgewinn nicht auch ein Genußverlust einhergeht:  Hatte das Aufschlagen des Rasierschaums nicht etwas meditativ-beruhigendes?  Die Zufriedenheit bei einer guten Konsistenz – das erste Erfolgserlebnis am Tag.  Wie reizlos ist dagegen die in sekundenschnelle aus der Dose gepresste Seifenvariante…

…doch es gibt schon den passenden  Trend: Entschleunigung.  Jetzt darf alles wieder etwas langsamer und mit Genuß getan werden  – bewußt genießen, bewußt konsumieren, bewußt rasieren. Und die nächste Fahrt geht rückwärts.

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